Solveig

Mein Name ist Solveig. Ich bin eine heidnische Priesterin. Viele Jahre lang lebte ich mit anderen Anhängern der alten Götter im Verborgenen. Wir verständigten uns durch geheime Zeichen. Zum Schein gingen wir Sonntags in die Kirche. Unsere eigenen Rituale feierten wir in einer düsteren Höhle, tief im Boden verborgen.

Wie uns unsere Vorfahren es gelehrt hatten, begingen wir die 4 Mond- und die 4 Sonnenfeste im Jahreskreis. Ich zelebrierte Riten zur Geburt, zum Übergang ins Erwachsenenalter, Ehegelöbnisse und Totenfeiern. Bei Strafe war es uns verboten, unsere Toten zu verbrennen. Wer nicht selbst auf dem Scheiterhaufen enden wollte, mußte sich damit abfinden, seine Verstorbenen den Würmern zu füttern. Ich weinte bitterlich, als ich meinen Vater einscharren mußte. Was für ein unwürdiges Begräbnis!

Eines Tages verfolgte eine Jagdgesellschaft einen Eber. Dieser suchte Schutz in unserer Höhle. Unsere Kultstätte wurde entdeckt und geschändet. Die Häscher machten sich auf, uns zu suchen.

Die Kunde der Entdeckung erreichte uns gerade noch rechtzeitig. Mutige Mitglieder meiner Gemeinde schmuggelten mich auf einem Heuwagen aus dem Ort. An einer Wegkreuzung setzten sie mich ab. Von dort weg mußte ich mich zu Fuß durchschlagen. Ich hatte kaum zu essen und fror erbärmlich. Wahrscheinlich wäre ich gestorben, hätte mich nicht ein fröhliches Völkchen am Wegesrand zusammengeklaubt und wieder aufgepäppelt. Sie störten sich nicht daran, dass ich Heidin war. So blieb ich bei ihnen.

Ich fühle mich wohl unter ihrem Schutz. Die, die es wissen, kommen zu mir, auf dass ich für sie Zwiesprache mit den Göttern halte, ihre Bündnisse segne oder Trancebotschaften aus der Anderwelt übermittle. Ich muss immer noch vorsichtig sein, aber verraten wird mich hier keiner.