Thorag, unser Tagelöhner

Ich wurde an den Ufern des Neckars, im Schatten der Schenkenburg (wann genau weiß ich nicht), als Sohn eines freien Bauern geboren. Als die Übergriffe marodierender Franken immer häufiger wurden, verkaufte mein Vater unser Langhaus und seine Parzellen letztendlich an unseren Vogt. So zogen wir erst zur Quelle unseres Flusses und darüber hinaus durch die Wälder zur Bergfeste unserer Herrschaft in eine, von schroffen Bergkegeln dominierte Landschaft, dem Hegau. Da mein Vater dort nur ein kleines Stück Land roden und bewirtschaften durfte, verdingte er, und später auch ich, sich noch beim Ausbau des Hohentwiels um die Familie zu ernähren. Nach einer schlechten Ernte, und um nicht in Leibeigenschaft zu verfallen, wurde ich mit einem Händler (Arbeit gegen Brot) zu meinem Oheim nach St.Gallen, welcher da angeblich bei einer neuen Sekte lebte, geschickt.

Ein komisches Leben war das: Vor dem ersten Hahnenschrei beteten und sangen die Brüder schon und raubten uns, die wir ja nur eine Mauer weiter schliefen den Schlaf. Die gleichen Verrichtungen gab es dann mittags, abends und um Mitternacht. In der Abtei lernte ich, neben allerlei Handwerk, doch manch befremdliche Dinge: einer der Geschorenen, erfreut ob meiner Neugier, zeigte mir die Schrift und das Binden von Pergament zu Folianten. Mit der Zeit fiel dem Prior auf, dass ich meine Arbeit immer mehr vernachlässigte und meine Zeit mit den Brüdern verbrachte. Statt mich zu prügeln fragte er mich ob ich mich ihnen anschließen würde! So streifte ich also als Novize mein langes Haar ab und das häherne Gewand der Mönche über,

Die Lenze kamen und gingen, Haar zeigte sich auf meiner Brust und zwischen den Beinen, die Frauen gewannen immer mehr an Liebreiz. Vor dem Osterfest befahl der Prior zwei unseren Brüdern und mir, nach Bregenzia ans schwäbische Meer zu fahren um Gewürze und Spezereien zu erstehen. Eines Nachts hörte ich dann von der Lagerstatt nebenan seltsame Laute. Neugierig beschloss ich nachzusehen und erblickte einen Reisenden, der sich grinsend unter einer drallen Maid wand. Den folgenden Tag ließ mich der Anblick nicht mehr los. Zögernd suchte ich auf dem weiteren Weg die Nähe der Maid um sie zur vergangenen Nacht zu befragen. Sie lachte nur und führte mich bei der Mittagsrast, verstohlen um sich blickend, hinter ein paar Büsche am Flussufer wo sie mich in die Freuden der Fleischeslust einführte.

Darauf sollte ich in Zukunft verzichten? Nicht weit nach Pfingsten verließ ich heimlich die Anbeter des Genagelten, dem Zug meiner Lenden gehorchend, mit etwas Proviant, einfacher Kleidung und etwas Werkzeug versehen. Die folgenden Sommer zog ich, gegen Kost und Logis, manchmal auch für ein paar Münzen arbeitend, entlang der schneebedeckten Säulen des Himmels erst durch helvetische dann auch durch bajuwarische Lande. Durch diese Wanderjahre eignete ich mir allerlei Fertigkeiten und Kenntnisse an.
Dem Lauf der Isaria folgend erreichte ich letztendlich die Hofmark Marzling. An den Ufern eines kleinen Weihers erblickte ich eine dort lagernde gar liebreizende Maid, welche mich in ihr Lager einlud. Nachdem die Dame leider von uns gegangen ist, ziehe ich nun, alt an Lenzen, doch jung im Herzen, weiter mit der Gruppe durch Wald und Flur.